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Ein gefallener Stern: Russlands Niedergang als Outsourcing Standort

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IT-Outsourcing war früher einer der wenigen nicht auf natürlichen Ressourcen basierenden Wirtschaftszweige der russischen Wirtschaft, der global integriert war. Russische IT-Unternehmen hatten sich jahrelang einen Ruf für Innovation und kreative Problemlösungen erarbeitet, mit dem sie guten Erfolg in der internationalen Technologiebranche hatten. Aber Putins Wunsch, Krieg in der Ukraine zu führen, hat dazu geführt, dass Russlands Ambitionen im technischen Bereich zum Erliegen gekommen sind.


IT Outsourcing im Krieg: 5 Gründe warum Russland verliert

Dank eines großen Pools an gut ausgebildetem Humankapital und einer entwickelten Startup Szene verzeichnete der russische IT-Sektor zwischen 2016 und 2020 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 8,8 %. Im Jahr 2020 belief sich der Gesamtumsatz russischer IT-Dienstleistungen auf 19,5 Milliarden US-Dollar. Bis 2025 sollte er eigentlich auf zwischen 28,1 und 31,5 Milliarden US-Dollar steigen. Angesichts der jüngsten Ereignisse scheint dies derzeit allerdings als höchst unwahrscheinlich.
Mit aus westlichen Sanktionen resultierenden Einschränkungen wird Russlands IT-Outsourcing Sektor bald nicht mehr in der Lage sein, einen zuverlässigen Betrieb aufrechtzuerhalten. Ein Exodus internationaler Unternehmen, technologische und digitale Isolation, wirtschaftliches Stigma und eine zunehmende Abwanderung russischer IT-Fachkräfte verwandeln den russischen IT-Sektor in die Rolle eines abgelegenen, staatlich kontrollierten Wirtschaftszweiges, der jungen motivierten IT-Fachkräften kein tatsächlichen Karrieremöglichkeiten bieten kann.

the pre-war state of Russian IT

Zustand des russischen IT-Sektors 2021

Technologie Blockade

Aufgrund eingeschränktem Handel und Zugang zu Spitzentechnologie steht die russische Wirtschaft unter starkem Druck, infolgedessen massive wirtschaftliche Verluste entstehen. Westliche Sanktionen haben bereits zu ernsthaften Engpässen bei der Versorgung mit Halbleitern, Elektrogeräten und Hardware geführt, die für die Aufrechterhaltung des täglichen Betriebs im russischen IT-Sektor essenziell sind.

Die meisten der weltweit größten Chiphersteller, darunter Intel, Samsung und AMD, haben ihre Beziehungen zu Russland gekappt und den Zugang zu den Komponenten versperrt, die Russland für seine high-end Industrie und die Entwicklung fortschrittlicher Waffensysteme benötigt. Eine bisher nie gesehene Koordination zwischen den USA, der Europäischen Union und Japan sowie ihren Verbündeten und Partnern hat auch die Möglichkeiten Russlands, ausländische Technologien und Geräte mit diesen Chips wie Smartphones, Netzwerkgeräte und Datenserver zu importieren, drastisch eingeschränkt.

Infolge der erlassenen Sanktionen verfügen russische Hersteller, die zuvor auf importierte Technologien angewiesen waren, nur noch über einen Lagerbestand von etwa acht Monaten. Da selbst die Kapazitäten eines schwarzen oder grauen Marktes nicht ausreichen, um das Vorkriegsvolumen vollständig aufrechtzuerhalten, gestalten sich genaue Prognosen schwer.

Die russische Regierung hat bereits begonnen Maßnahmen zur Stabilisierung des russischen IT-Sektors zu identifizieren und umzusetzen. Dazu gehören die Legalisierung von Parallelimporten, die Erlaubnis zur Verwendung von Raubkopien und die Beschlagnahme von Geräten ausländischer Technologieunternehmen, die Russland verlassen oder ihren Betrieb eingestellt haben.

Die Behörden planen außerdem, satte 45 Milliarden US-Dollar auszugeben, um die Entwicklung des heimischen IT-Sektors zu unterstützen. Diese Mittel werden dem russischen Nationalen Projekt für Elektronik unterstellt, mit dem Ziel, große Produzenten zu subventionieren und den Bau neuer Designzentren zu fördern. Der Gesetzgeber hofft, dass diese Investitionen den heimischen Markt ankurbeln und es russischen Haushalten ermöglichen, bis 2030 etwa 30% lokal hergestellte Elektronik zu beziehen.

Skeptiker halten diese Pläne für unrealistisch, zumal die Mehrheit der Produktionsstätten mit im Ausland hergestellter Software betrieben werden. Dadurch, dass Unternehmen wie Amazon, Microsoft und Google alle neuen Verkäufe ihrer Produkte und Dienstleistungen beendeten, wurde die technologische Fähigkeit weiter eingeschränkt, das zu replizieren, was sonst aus dem Ausland importiert worden wäre.
Der Auszug technologischer Schwergewichte aus Russland bedeutet einen harten Schlag für den IT-Sektor. Unternehmen, die bereits die Weichen für den Umstieg auf Cloud-basierte Abläufe gestellt haben, fürchten, dass ihnen der Zugang zu AWS, Microsoft Azure und Google Cloud verloren gehen wird. Ohne diese bekannten Technologien, die den Grundstein ihrer Funktionsweise bilden, sind sie gezwungen, ihre Business Continuity Pläne zu revidieren.

Splinternet

Obwohl es keinen kompletten Ersatz für die Menge der in der Vorkriegszeit importierten Technologie gibt, sind Software- und Geräteausfälle derzeit eher die Ausnahme als die Regel. Die besorgniserregendste Entwicklung im russischen IT-Sektor ist der Rückzug westlicher Internetanbieter.

Lumen und Cogent Communications, zwei der größten internationalen Telekommunikationsanbieter in Russland, brachen nach Beginn der Invasion ihre Geschäftsbeziehungen ab. Als Begründung für die Trennung ihrer Hochleistungsnetze führten beide Anbieter die „unsichere Sicherheitslage“ und den Fokus auf die „Gewährleistung der fortwährenden Integrität des globalen Internets“ an.

Der Rückzug dieser Anbieter bedeutet nicht, dass die Bewohner Russlands keine Internetverbindung mehr haben. Er bedeutet aber, dass ein zentraler Verkehrsweg für Internet Traffic wegfällt. Unter diesen Umständen wird es schwieriger, Zugang zu internationalen Diensten wie Nachrichtenseiten oder westlichen Social-Media Plattformen zu erhalten. Es entsteht so die Möglichkeit, eine digitale Festung rund um Russland zu schaffen, die die Einwohner und im IT-Sektor Beschäftigten von der Außenwelt isoliert, und Russland wie einen neuen eisernen digitalen Vorhang ummantelt.

Vor diesem Hintergrund haben VPN-Dienste (Virtual Private Network) viel Zulauf bekommen, insbesondere bei der Nutzung mobiler Endgeräte. Allein in den ersten zwei Wochen nach der Invasion stieg die Anzahl der Downloads von bekannten VPN-Apps im App Store und bei Google Play sprunghaft an und erreichte 4,6 Millionen neue Nutzer. VPN-Dienste ermöglichen es, Beschränkungen auf bestimmten Websites zu umgehen, im Internet anonym zu bleiben und sich frei im Internet zu bewegen.

Der russischen Regierung stehen jedoch verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, den Betrieb von VPNs zu unterbinden, bis hin zur vollständigen Sperrung des App Store und von Google Play.

Finanzielle Kernschmelze

Im Zuge der von den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union erlassenen Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen große Plattformen, Dienste und Zahlungsabwickler, Transaktionen im Land zu blockieren. Die ersten Finanzdienstleister, die die Abwicklung von Auslandstransaktionen für Millionen von in Russland lebenden oder aus Russland stammenden Kunden einstellten, waren  Visa und Mastercard. Darüber hinaus unterstützen sie keine Karten mehr, die von russischen Banken ausgestellt wurden. Das bedeutet für die Menschen, die entweder aus Russland geflohen sind oder sich zufällig im Ausland aufgehalten haben, als die Invasion begann, nun neue Wege finden müssen, um an ihre Gelder zu gelangen.

With PayPal having suspended its operations in the country and Payoneer closing Russian accounts, there is effectively no way for many tech professionals to earn money from abroad. Moreover, after the country was disconnected from SWIFT in early March, Russian IT companies can neither receive payments from overseas clients nor pay their employees working in Europe.

Mit dem Rückzug von PayPal und der Schließung russischer Konten durch Payoneer, gibt es für viele russische IT-Fachkräfte praktisch keine Möglichkeit, im Ausland Geld zu verdienen. Nachdem Russland zudem Anfang März von SWIFT getrennt wurde, können russische IT-Unternehmen weder Zahlungen von ausländischen Kunden erhalten noch in Europa arbeitenden Mitarbeiter bezahlen.

Brain Drain

Der Mangel an Technologiegütern, die sich anbahnende Wirtschaftskrise und digitale Isolation schmälern Russlands Bedeutung als Outsourcing Standort. Nichts aber schadete dem russischen IT-Sektor mehr als der Verlust seines wertvollsten Kapitals überhaupt: junge, gut gebildete und finanziell autarke IT-Fachkräfte.

Mit fast 1,8 Millionen IT-Fachkräften war Russland ein im globalen Technologiesektor kein unbekannter Player. Laut HackerRank belegte Russland den zweiten Platz in der globalen Rangliste der Länder mit den besten Entwicklern, übertroffen nur von China. Laut Topcoder rangiert Russland auf Platz 5 unter mehr als 200 weiteren Ländern, wenn es um Erstplatzierungen bei Codierung Challenges geht. Darüber hinaus belegt Russland den 21. Platz im Kearney Global Services Location Index, der die Fähigkeit zur Bereitstellung hochwertiger Dienstleistungen, die Fähigkeiten und Verfügbarkeit von IT-Fachkräften sowie das allgemeine Geschäftsumfeld abbildet. 

Trotz seiner anfänglich starken Ausgangsposition auf dem globalen IT-Outsourcing Markt verliert Russland als Standort seine frühere Bedeutung. Der russische IT-Sektor steht aufgrund eines Massenexodus erfahrener IT-Fachkräfte, darunter Programmierer und Experten für Cybersicherheit, am Horizont eines schweren und lang anhaltenden Brain Drains. Allein seit Ausbruch des Krieges haben bereits 200.000 Entwickler oder 11% des gesamten Pools an IT-Fachkräften ihre Heimat verlassen.

Zwei Faktoren, die bei der Entscheidung, Russland zu verlassen, sicherlich eine Rolle spielen, sind Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik und zunehmende Zensur. Da jedoch alle Männer zwischen 18 und 27 Jahren Wehrdienst leisten müssen, versuchen viele auch einfach, ihre Fähigkeiten nicht für einen Krieg in die Tonne zu werfen, mit dem sie sich nicht identifizieren können. Andere IT-Experten wanderten auch aus, um nicht zu böswilligen Cyber-Akteuren im Dienst des Kremls zu werden. Und wieder andere betrachten Emigration als eine Möglichkeit, ihren Protest auszudrücken und im Zuge dessen ihre Fähigkeiten und ihr Geld mitzunehmen.

Nicht jeder aber will in irgendeiner Form protestieren. Viele russische Softwareentwickler oder IT-Dienstleister haben auch einfach Ultimaten von ihren Arbeitgebern oder ausländischen Kunden erhalten, in denen sie aufgefordert wurden, Russland zu verlassen oder den Verlust ihrer Verträge zu riskieren. Oft verbunden damit war ein Angebot zur Umsiedlung in nahe gelegene postsowjetische Länder wie Armenien, Kasachstan oder Georgien, die Russland gegenüber wenig restriktive Visaregelungen und günstige Flugverbindungen nach Russland haben. Weitere für russische IT-Fachkräfte beliebte Länder sind Israel, die Türkei und Dubai.

Unternehmensabwanderungen

Das russische Tech-Ökosystem steht derzeit doppelt unter Druck: durch die Abwanderung von russischen IT-Fachkräften und den Rückzug ausländischer Unternehmen aus Russland. Laut einem Bericht der Yale School of Management haben bereits fast 1.000 westliche Unternehmen ihre Aktivitäten in Russland eingeschränkt.

In the first weeks following the invasion, global sanctions were the primary reason compelling enterprises to re-examine their ties with Russia. However, these days it's often the incurring reputational harm and investor wrath that forces Western companies to get out of the country. Stakeholders, consumers, and even whole markets are praising businesses for leaving Russia while punishing those that remain. 

In den ersten Wochen nach der Invasion motivierten vor allem globale Sanktionen ausländische Unternehmen, ihre Beziehungen zu Russland zu überdenken. Längerfristig besteht jedoch das Risiko einer Geschäftstätigkeit in Russland darin, seinen Ruf zu schädigen oder Investoren zu verärgern. Stakeholder, Verbraucher und sogar ganze Märkte loben Unternehmen dafür, dass sie Russland verlassen, während sie diejenigen bestrafen, die bleiben.

companies curtailing operations in Russia

Westliche Unternehmen brechen ihre Beziehungen zu Russland ab

Fazit

In den letzten zwei Jahrzehnten hatte sich Russland als wettbewerbsfähiger Standort für Technologiedienstleistungen etabliert. Angesichts der aktuellen geopolitischen Situation wurden jedoch alle Bemühungen zunichte gemacht, sich einen Ruf als effizienter und zuverlässiger Player im IT-Outsourcing Markt zu etablieren. Bei länger andauerndem Kriegsverlauf, wird der russische IT-Sektor einen Rückwärtssprung auf die Zeit vor 10 bis 15 Jahren erleben, ohne dass eine Garantie für die Aufrechterhaltung oder gar den Ausbau des IT-Sektors besteht.

Der Rückzug westlicher Unternehmen, die Abwanderung hochqualifizierter IT-Fachkräfte sowie der mangelnde Zugang zu wichtigen Technologiegütern haben den russischen IT-Outsourcing Markt in eine prekäre Lage gebracht. Technologieunternehmen haben zudem damit begonnen, Vorbehalte hinsichtlich der Verwendung von Software zu äußern, die in Russland entwickelt wurde. Da „Made in Russia“ sich zu einem immer giftigeren Etikett für IT-Produkte entwickelt, ist ein risikoscheuer Weg Imageschäden zu verhindern, Talent- und Geldflüsse so schnell wie möglich aus Russland umzuleiten.

Grid Dynamics beendete Mitte April alle verbleibenden Aktivitäten in Russland. Unser Rückzug wurde so konzipiert, dass die Abwicklung von laufenden Projekten sichergestellt war, um Auswirkungen auf Kunden zu minimieren. Dazu ermöglichten wir willigen Mitarbeitern, sicher und zügig in anderen Grid Dynamics Standorten arbeiten zu können, unter anderem in unseren Entwicklungszentren in Serbien, Rumänien, der Republik Moldau oder Polen. Viele talentierte Entwickler aus Russland entscheiden sich dafür, in das benachbarte Armenien zu ziehen, ein aufstrebender Entwicklungsstandort. Unser neues Büro in Eriwan ist bereits auf über hundert Entwickler angewachsen.

Mit unserer Erfahrung können wir auch Ihnen dabei helfen, einen individuellen Plan für einen reibungslosen Exit aus Russland zu erstellen und Ihre Entwicklung an einen sicheren und stabilen Outsourcing Standort zu verlagern. Durch eine Partnerschaft mit Grid Dynamics erhalten Sie Zugang zu hochkarätiger Expertise, mehr als 15 Jahren Erfahrung in digitaler Transformation und die Möglichkeit, ein Kooperationsmodell zu wählen, das Ihren Anforderungen genau entspricht, einschließlich Product Oriented Delivery Teams, remoter Teamerweiterung und QA/DevOps as a Service. 

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Alia Shkurdoda

Alia Shkurdoda is a passionate content writer with several years of experience in the EdTech and IT outsourcing spheres.

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